Steuertipp 2 – Investitionen zum Jahresende

Steuerersparnisein sinnvolles Instrument um Steuern zu sparen oder sinnlose Hektik vor dem Jahreswechsel?

Zum Jahresende wird uns als Steuerberater regelmäßig die Frage gestellt, ob Investitionen noch im alten Jahr getätigt werden sollten. Diese Fragestellung hängt einerseits damit zusammen, dass unsere Mandanten ihre steuerliche Belastung reduzieren möchten und andererseits treten regelmäßig zu Beginn eines Jahres neue Gesetzesänderungen in Kraft, die großen Einfluss auf eine Investitionsentscheidung haben können.

Bild: @ peshkova / Fotolia

Größere Investitionen wirken sich nur über die Abschreibung auf das steuerliche Ergebnis aus. Durchschnittlich liegt die Abschreibungsdauer bei Einrichtungsgegenständen einer Zahnarztpraxis bei 8 Jahren. Eine Investition von EUR 50.000,00 würde sich jährlich in Höhe von EUR 6.250,00 gewinnmindernd auswirken. Bei einem Steuersatz von 42% zzgl. Solidaritätszuschlag bringt dies eine jährliche Steuerersparnis von ca. EUR 2.770,00. Zu beachten ist allerdings, dass, sofern eine Investition unterjährig erfolgt, die Abschreibung in dem Jahr nur anteilig gewährt wird, d.h. bei einer Anschaffung im Dezember wäre die Abschreibung somit nur für den Monat Dezember in Höhe von 1/12 der Jahresabschreibung zu berücksichtigen (Halbjahresabschreibungen sind nicht mehr zulässig). Allerdings gibt es Gestaltungen, die die Auswirkungen erhöhen. Eine dieser Möglichkeiten ist der Investitionsabzugsbetrag inklusive Sonderabschreibung (früher: Ansparabschreibung).
Ein Investitionsabzugsbetrag (IAB) kann für künftige Anschaffungen abnutzbarer beweglicher Wirtschaftsgüter innerhalb von 3 Jahren bis zu 40% der voraussichtlichen Investitionssumme gewinnmindernd abgezogen werden. Um den IAB bilden zu können, darf das Betriebsvermögen bei bilanzierenden Unternehmern im Jahr der Bildung nicht mehr als EUR 235.000,00 betragen. Bei Ermittlung des Gewinns durch Einnahmen-Überschussrechnung darf der Gewinn im Jahr der Bildung des Investitionsabzugsbetrages nicht mehr als EUR 100.000,00 betragen. In Grenzfällen kann ein Übergang zur Bilanzierung sinnvoll sein. Die Anlagegegenstände müssen nach ihrer Anschaffung bis zum Ende des der Anschaffung folgenden Wirtschaftsjahres im Anlagevermögen verbleiben und das Anlagegut muss fast ausschließlich betrieblich genutzt werden.

Steuerersparnis zum Jahreswechsel?

Für eine Anschaffung in 2011 bedeutet dies, dass in der Steuererklärung 2010 bereits 40% der Anschaffungskosten gewinnmindernd geltend gemacht werden können, sofern die o. g. Voraussetzungen erfüllt sind. Hinzu kommt hier die Besonderheit, dass die Grenzen für die Anwendung der Regelung des IAB in 2010 aufgrund des Konjunkturpaketes aus 2008 noch um EUR 100.000,00 höher sind (Wert Betriebsvermögen EUR 335.000,00/ Gewinn bei Einnahmen-Überschussrechnung EUR 200.000,00). Im Jahr der Anschaffung 2011 kommt es zu einer Anschaffungskostenminderung in Höhe des in 2010 gebildeten IAB, im Gegenzug wirkt die Auflösung des IAB gewinnerhöhend, so dass daraus in 2011 keine steuerlichen Konsequenzen resultieren.

Neben dem IAB können für die Investition auch Sonderabschreibungen in Höhe von 20% geltend gemacht werden. Diese können auch ohne vorherige Bildung eines IAB in Anspruch genommen werden. Die Sonderabschreibung wird zusätzlich zur üblichen Abschreibung gewährt und kann auch bei Anschaffung zum Jahresende in Höhe von 20% der Anschaffungskosten berücksichtigt werden. Auch die Anwendung der Sonderabschreibung ist an die o.g. Grenzen gebunden. Für eine Berücksichtigung der Sonderabschreibung in 2011 darf der Wert des Betriebsvermögens zu Beginn des Wirtschaftsjahres somit nicht mehr als EUR 235.000,00 bzw. der Gewinn bei Einnahmen-Überschussrechnung am Ende des der Anschaffung vorausgehenden Wirtschaftsjahres nicht mehr als EUR 100.000,00 betragen haben.

Beispielrechnung:
Annahme: Gewinn 2010 EUR 95.000,00,
Investition EUR 80.000,00, Lieferung und Inbetriebnahme im Dezember 2011
Nutzungsdauer 8 Jahre

fpp-abschreibungen

Eine weitere Möglichkeit zur Nutzung von Steuervorteilen im alten Jahr, wäre der Abschluss eines Leasingvertrages. Bei Zahnärzten, die ihren Gewinn durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln, gilt das Zu-/Abflussprinzip. Dies bedeutet, dass bei einem Leasingvertrag mit einer Leasingsonderzahlung, die Sonderzahlung im Jahr der Zahlung voll aufwandswirksam berücksichtigt wird. Der Abschluss eines Leasingvertrages kann somit auch bereits in 2011 zu einer Steuerersparnis führen, sofern eine Leasingsonderzahlung vereinbart wird und die Zahlung noch in 2011 erfolgt. Bei Steuerpflichtigen, die ihren Gewinn durch Betriebsvermögensvergleich ermitteln (Bilanz) ist diese Möglichkeit nicht gegeben, da die Sonderzahlung auf die Laufzeit des Leasingvertrages zu verteilen ist.
Daneben gibt es bei kleineren Investitionen die Möglichkeit, dass bis zu einem Betrag von EUR 410,00 netto die Kosten für das Anlagegut sofort als Betriebsausgabe abgezogen werden, auch wenn die Anschaffung erst im Dezember erfolgt.

Fazit

Investitionen noch im Jahr 2011 zu tätigen kann aus steuerlicher Sicht durchaus sinnvoll sein, da unter gewissen Voraussetzungen auch eine Anschaffung Ende 2011 noch zu hohen gewinnmindernden Auswirkungen durch eine Sonderabschreibung führen kann. Sollten die Voraussetzungen für eine Sonderabschreibung nicht gegeben sein, kann durch Abschluss eines Leasingvertrages ebenfalls eine Gewinnminderung erzielt werden. Neben dem steuerlichen Effekt sollte nicht vergessen werden, dass mit Investitionen in neuere Technologien die Arbeitsabläufe in einer Praxis vielfach verbessert werden und somit die Effektivität der Arbeit erhöht werden kann. Nicht zuletzt wird der materielle Praxiswert durch sinnvolle Re-Investitionen und Erweiterungsinvestitionen erhalten bzw. gesteigert.

 

Zu unserem Steuertipp 3: Dental CAD/CAM System

 

Quelle:
fpp.steuerberatung
info@fpp-steuerberater.de
www.fpp-steuerberater.de

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